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Pedro Ampuero – eine europäische Bogenjagd Legende

Pedro Ampuero – eine europäische Bogenjagd Legende
©Pedro Ampuero
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Dieses Interview wurde von Christian Heinz mit Pedro Ampuero geführt und in der JAGDZEIT | Ausgabe 43 veröffentlicht.

Im folgende Interview, das Christian Heinz mit Pedro führte, bekommen wir einen Blick auf eine recht spezielle Art zu Jagen, nämlich mit Pfeil und Bogen im Gebirge. Der europäische Botschafter der Bogenjagd Pedro Ampuero plaudert dabei quasi aus dem Nähkästchen und gewährt tiefe Einblicke in seine Welt.

Hallo Pedro, wir kennen uns nun schon ein paar Jahre und immer wann ich dich sehe hast du ein breites Grinsen im Gesicht und immer eine helfende Hand für jene, denen die Passion Bogenjagd gleich im Blute liegt wie dir. Zumindest in meiner Wahrnehmung ist es heutzutage unmöglich keine Notiz von dir zu bekommen, wenn es um das Thema moderne Bergjagd oder im speziellen um die Bogenjagd geht. Natürlich gibt es in der Bogenjagdszene einige Superstars aus Nordamerika aber in Europa bist du wohl der bestbekannte, zeitgenössische Vertreter dieser Jagdart. So ist es mir, der ich ebenfalls ein leidenschaftlicher Bogenjäger bin, ein wahres Vergnügen den Lesern von JAGDZEIT INTERNATIONAL den wahren Pedro Ampuero etwas näher zu bringen.

Danke Christian für die netten Worte, das Vergnügen ist ganz auf meiner Seite! Ich glaube das ich einfach nur großes Glück im Leben hatte und es ist ein Geschenk auf diese Weise meinen Lebensunterhalt zu verdienen, mit jeder Menge an Jagdmöglichkeiten. Ich bin nur ein einfacher Bogenjäger der viel Zeit damit verbringt zu tun, was ich wirklich liebe, da ist kein besonderer Verdienst dabei.

Eine der für mich bemerkenswertesten Dinge, die mir aufgefallen sind, du jagst sehr oft gemeinsam mit deinem Vater, er mit der Büchse und du mit dem Bogen. Wie kamst du eigentlich zur Bogenjagd, was beeinflusste dich auf diesem Weg und wo ist der Unterschied zwischen den anfänglichen Jagdausflügen mit deinem Vater und der Gegenwart?

Ich machte meine ersten Jagdversuche mit einem Bogen meines Vaters als ich einen seiner alten Bögen fand. Er hatte immer einen Bogen aber nach einer Verletzung in der Schulter, die er sich beim Sturz von einem Hundeschlitten am Nordpol zuzog, war er gezwungen den Bogen in die Ecke zu legen. Obwohl er selbst nicht mehr mit dem Bogen jagt hat er mich immer darin bestärkt da er die wahre Faszination dieser Jagdart kennt. Meiner Meinung nach ist zwischen den verschiedenen Jagdarten nur der Unterschied, dass die Jagd mit Pfeil und Bogen einfach mehr Zeit benötigt. So nehme ich mir bei unseren gemeinsamen Jagdtrips nicht so viel vor und rechne mehr Zeit ein, um mein Jagdziel zu erreichen.

Wer dich in den Medien verfolgt kann dich sowohl mit der Büchse auf Hochwild wie auch mit der Harpune im Meer oder mit der Flinte auf Vögel jagen sehen. Die allermeisten Jagden aber finden mit dem Bogen im Gebirge statt. Das ist möglicherweise eine der schwierigsten Jagdarten, die man sich aussuchen kann. Warum machst du das?

Ich habe Freude an jeder Jagdart, ungeachtet welche Jagdwaffe dabei zum Einsatz kommt. Die Waffe macht den Jäger nicht aus! Tatsächlich jage ich sehr oft in den Bergen mit dem Bogen, diese Jagdart erfordert große Anstrengungen, Selbstüberwindung und hilft mir dabei mein Bestes hervorzukehren. Ich liebe die Stille und die Schönheit der Berge und die Jagd mit dem Bogen erlaubt mir mich länger in diesem Ambiente aufzuhalten und es aus tiefsten Herzen zu genießen. Das Resultat der Jagd, ein Tier zu erlegen, ist in diesem Fall nur zweitrangig.

Du bist erst der vierte Jäger weltweit und auch der erste Europäer überhaupt, der den berüchtigten Capra World Slam mit dem Bogen erfolgreich bewältigt hat. Man muss aber schon ganz gezielt danach suchen um diese großartige Leistung überhaupt von dir in Erfahrung zu bringen. Andere würden daraus möglicherweise eine Riesengeschichte machen. Meinst du das damit?

Genau, ich habe den Capra World Slam mit dem Bogen 2017 erfolgreich bewältigt und es ist natürlich eine Ehre meinen Namen zusammen mit solchen Legenden wie Archie Nesbitt, Tom Hoffmann und Gary Bogner auf der Ehrentafel zu sehen. Ich denke aber dass es sich dabei nur um anekdotische Begebenheiten handelt denn die Jagd ist kein Wettbewerb um eine Liste von verschiedenen Tierarten abzuhaken und sich dann den nächsten, selbstgesteckten Zielen zu widmen. Der eigentliche Antrieb all diese Plätze zu besuchen ist neue Kulturen zu entdecken, neue Tierarten kennen zu lernen und natürlich neue Bergregionen. Natürlich ist sekundär auch der Drang dabei die Liste vollzubekommen, dies aber aus der Sicht eines Abenteurers und es ist definitiv nicht mein Hauptantrieb und natürlich auch nicht meine Ziellinie. Ich werde weiter in den Bergen Ziegen jagen solange meine Beine mich tragen.

Wieviel gibst du um so ein erfolgreicher Bogenjäger zu sein, wie viele Tage jagst du im Jahr und wie viel Zeit investierst du in Training und Studium der Wildtiere und anderer, überlebenswichtiger Kenntnisse?

Jagd ist für mich eine Lebenseinstellung und Training und Studium ist ein sehr großer Teil meines Tagesablaufs. Ich bin in der glücklichen Lage mehr als 100 Tage pro Jahr auf der Jagd zu sein, normalerweise jede Woche in Spanien, da wir beinahe das ganze Jahr über Jagdsaison haben, sowie einige längere Jagdtrips ins internationale Ausland. Wenn ich nicht jage dann trainiere ich jeden Tag der Woche, das beinhaltet sowohl Fitness Studio sowie Wandern und Laufen. Ich versuche auch meinen Bogen jeden Tag in der Woche zu schießen, und wenn es nur ein paar Pfeile sind. Sogar nur 2 oder 3 Schuss in der Wohnung sind genug um das Muskelgedächtnis aufrecht zu erhalten. Bogenjagd ist jedenfalls nichts, was du so nebenbei machen kannst. Wenn du ein erfolgreicher Bogenjäger sein willst musst du es jede Minute deines Tages leben!

 Du hast eine sehr starke Beziehung zu KUIU. Wie kam das? Ich weiß von deiner freundschaftlichen Beziehung zu Jason Hairston, dem Gründer von KUIU und ebenfalls ein passionierter Bogenjäger. Wie hat dich der tragische Tod von Jason im September 2018 beeinflusst?

Ich kannte Jason schon lange bevor er KUIU gründete, als er noch bei Sitka war, diese Firma hatte er ebenfalls gegründet. Ich habe seine ganz ersten Prototypen von KUIU getestet, noch bevor die Marke überhaupt in den Markt eintrat. Es war wunderbar zu sehen wie die Marke wuchs und als die Zeit gekommen war bot mir Jason die Möglichkeit meinen Job als Ingenieur zu kündigen und für Ihn als Europamanager den Markt mit aufzubauen. Er änderte dadurch mein Leben komplett und ich werde ihm dafür immer dankbar sein. Es ist hart sich zu vergegenwärtigen, dass er nicht mehr unter uns ist aber er inspiriert uns weiter von da oben aus und wir hoffen sein Erbe lebendig zu erhalten und die Grenzen der Innovation weiter nach Vorne zu verschieben. Er war ein passionierter Jäger, geschäftlicher Visionär und ein großartiger Freund. Ich vermisse ihn.

Ich möchte nun noch mit ein paar technischen Bogenjagdfragen auf dich zukommen. Es gibt ja kaum einen, der so viel Erfahrung bei der Bergjagd hat. Welche Kombination von Bogen, Pfeilschaft und Jagdspitze verwendest du und was ist deine persönliche Maximaldistanz bei der Bogenjagd? Welches Visier verwendest du und wie kamst du zu dieser Kombination? Was funktioniert laut deiner Erfahrung bei der Pirschjagd in den Bergen nicht?

Die Jagd mit Pfeil und Bogen in den Bergen verlangt die Grenzen ein bisschen nach vorne zu verschieben, speziell wenn das Terrain gegen dich ist. Für weite Schüsse bevorzuge ich Bögen mit einer hohen Geschwindigkeit um sicher zu gehen, dass der Pfeil schnell an seinem Ziel anlangt und nur wenig Zeit für die Einwirkung von Wind auf den fliegenden Pfeil vorhanden bleibt. Ebenso sinkt der Pfeil so nur wenig und Distanz Messfehler wirken sich nicht so gravierend aus. Die kinetische Energie des Pfeils ist dann aber immer noch hoch genug um ein Maximum an Penetration zu gewährleisten. Schnellere Bögen verlangen typischerweise auch bessere Schießtechnik, da sie weniger fehlerverzeihend sind als langsamere Bögen. Das bedingt ein erhöhtes Maß an Training. 

Bei der Bergjagd verwende ich immer mechanische Broadheads, meiner Erfahrung nach können nur diese auf lange Distanzen einen sauberen Pfeilflug und somit einen punktuellen Treffer dauerhaft gewährleisten. Selbst wenn der Bogen und der Pfeil optimal eingestellt sind werden fixe Broadheads stärker durch Wind und ein schlechtes Release beeinflusst. Mein aktuelles Setup ist ein PSE Expedite mit 70 Pfund Zugkraft und dem Carbon Express Maxima Blue Select Schaft sowie dem Grim Reaper Pro Series Mini Mag 4-blade 1 ¼“ mit einem Spitzengewicht von 100 grain. Das Gesamtgewicht meines Pfeils liegt so bei 385 Grain und wird in dieser Kombination auf knapp 300 Feed per Secound (fps) beschleunigt.

Die Frage zur maximalen Schussdistanz ist eine sehr persönliche und hängt von vielen verschiedenen Faktoren ab. Darauf wirken neben dem aktuellen Trainingsstand, den Wetterkonditionen, der Erregungszustand des bejagten Wildes bis hin zum meinem eigenen Gefühl in der Vorbereitung zum Schuss. Ich trainiere wirklich sehr weite Schüsse um dabei Sicherheit für meine jagdlichen, meist kürzeren Schüsse zu sammeln und bin auch geistig immer auf einen Folgeschuss vorbereitet. Ich habe meinen Bogen auf 120 Meter beim Training eingeschossen und treffe auf 50 Meter wiederholgenau und sicher den kleinen Kreis. Ich verwende ein Multipin Visier, den Spot Ho Father, mit 5 fixen Pins. Für die Pirsch sind die Hybrid - Multipinvisiere die beste Option da oft kaum Zeit bleibt um ein Visier einzustellen oder sich die Tiere bewegen, wenn du schon im Vollauszug bist. Den Mittelpin habe ich so eingeschossen, dass ich mit einem seitlichen Einstellrad auch die weiten Distanzen metergenau einstellen kann. Wenn mir die Zeit bleibt diesen Pin zu setzen, dann entscheide ich mich eigentlich immer für diese Version da es um maximale Präzision geht.

Ich denke es ist nicht verkehrt zu behaupten, dass du der Botschafter der Bogenjagd in Europa bist. Welche Empfehlungen hast du für die Jäger, die daran arbeiten die Bogenjagd auch in den restlichen Ländern Europas zu legalisieren oder diese in ihren Ländern weiter zu entwickeln? Was hast du aus der Geschichte der Legalisierung und Entwicklung der Bogenjagd in Spanien gelernt?

Ich denke der Schlüssel zur Legalisierung ist mehr und mehr Leute zur Bogenjagd zu bringen. Menschen zu inspirieren sich für diese Jagdart zu interessieren, diese effizient darin auszubilden und ihnen den ethischen Rahmen dafür mit auf den Weg zu geben. Bei sehr vielen Menschen ist die Bogenjagd ziemlich unbekannt, wenige wissen um die Wirkung und Mechanismen, was geht und was nicht geht bei der Jagd mit Pfeil und Bogen. Also müssen diese, Jäger und Nichtjäger, einfach besser über die Bogenjagd aufgeklärt werden. Der Prozess ist langsam und benötigt eine Menge Passion und Geduld, besonders da wir Fehler und Rückschläge nicht werden verhindern können. Mit nur einem schlechten Schritt können wir 100 Schritte wieder zurückgeworfen werden. Ich jedenfalls hoffe eines Tages die riesigen Bogenjagd Möglichkeiten deines Heimatlandes Österreich genießen zu können. Den Alpensteinbock mit dem Bogen nachzustellen ist zeitlebens ein Traum für mich!

Ja, ich hörte davon, dass du schon öfters in den Bergen Österreichs mit der Büchse gejagt hast. Wie kam das und was hat dir daran besonders gefallen?

Während meines Besuchs der Swarovsky Optik in Tirol hatte ich das Glück jagen zu können. Die Berge dort sind einfach spektakulär und ich liebe die Tradition der Jagd sowie die jagdliche Manangement Praxis, die ich dort gesehen habe. Die Leute von Swarovski Optik waren ebenfalls wunderbar, es ist einfach schön passionierte Jäger in dieser Branche zu finden. Ich hoffe nur es war nicht zum letzten Mal und ich bin wirklich stolz auf die fantastischen Möglichkeiten, die wir in Europa haben, in einigen Ländern wäre die Bogenjagd wirklich ideal.

Nun kommen wir noch ein bissen weg von den Bogenjagdthemen. Wie ist der private Pedro? Was machst du, wenn du gerade nicht jagst oder auf Reisen bist? Hast du darüber nachgedacht, was du in deiner Zukunft machen möchtest?

Ich bin Ehemann einer wunderbaren Frau und eines nun 4 Jahre alten Sohns. Ich kann mich sehr glücklich schätzen mit meiner Frau zu arbeiten, sie ist meine größte Unterstützerin und unter anderem verantwortlich für die wunderbaren Videos. Wenn ich gerade nicht jage habe ich gerne andere Outdoor Aktivitäten wie Harpunentauchen, Laufen, Fotografieren,… es gibt so viele Möglichkeiten die Schönheit der Natur zu genießen. Mein größtes Hobby in der Zukunft wäre Geschichten über die Jagd und die Natur zu erzählen, Artikel zu schreiben, Fotos und Videos zu veröffentlichen – immer mit dem Ziel auch andere Menschen mit unserem Enthusiasmus für die Natur anzustecken und den einen oder anderen dazu zu bringen ebenfalls Outdoor zu gehen.